Deutschlands größte Künstlerin seit Marlene Dietrich war eine Italienerin, die seit kurzem einen französischen Pass besitzt: Caterina Germaine Maria Valente. Sie ist Sängerin, Tänzerin, Gitarristin, Schauspielerin, Instrumentalistin und, ja, alles dazwischen: Entertainerin. In Männergesellschaft. Er hat 1.500 Hits, Jazz, Pop, Musicals, Lieder und Bossa Nova in zwölf Sprachen gesungen. Sie strickt und spinnt. Und immer wieder: Ich lache!
Es ist ein lustiges, lebendiges und einzigartiges Kunstwerk. Und obwohl er sich schon vor Jahrzehnten von der Bühne und leider auch vom Gesang zurückgezogen hat und im Tessin ein scheinbar sehr glückliches Ruhestandsleben führt und nur selten schöne Fotos auf Facebook postet, verkümmert sein Ruhm und seine Verkümmerung. Neuauflagen und Neubetrachtungen, zunehmend vom Zeitgeist verdeckt, offenbaren: Caterine wird es nicht schaffen!
Und was für ein Zufall, dass dieses multikulturelle Wesen auf deutschen Bühnen, Kinoleinwänden und Wohnzimmerfernsehern zu sehen war. Seine Eltern stammen aus Italien und sein Vater stammt aus Spanien. Er wurde am 14. Januar 1931 in Paris geboren, heiratete später einen Deutschen mit niederländischem Künstlernamen, dann einen Engländer und lebte größtenteils in der Schweiz. Er bezeichnet sich selbst als „eine Art musikalisches Gulasch“. Aber dort gibt es keine Ungarn, sondern die meisten im Süden. Als Malgueña-Mädchen wurde sie sogar weltberühmt.
Zunächst wurde er von den Lichtern der Varietés beleuchtet. Sein Vater Giuseppe Valente war der Akkordeonvirtuose Di Zazzo und seine Mutter Maria war die beste Clownin der Welt. Seine Familie war während des Krieges in Deutschland gefangen, wurde in Berlin bombardiert und anschließend ins Exil geschickt. Aber Caterina schwieg und lächelte unwiderstehlich. Immer mit einem Funkeln in ihren braunen Augen. Die Show muss weitergehen! Dies wurde ihr als Mantra mit der Muttermilch gegeben. Und das gilt umso mehr nach diesem schweren Schlag. Beim Auftauchen aus den Ruinen ist Glück die Hauptsache. Und das kleine Mädchen, das bald ein kleines Mädchen und endlich ein Tausendsassa sein wird, tanzt, spielt und singt in der ersten Reihe als „Stimme des Wachstums“ („Spiegel“).
Die deutsche Regierung beanspruchte ihn schnell für sich und oft – mit ihrer Billigung – herabgesetzt, domestiziert und schmälerte seine Talente. Aber er gehört zur Welt. Wenn es zwischen Rhein und Oder, Isar und Schlei berühmt wurde, dann war es in Europa und Amerika legendär. Das ist etwas, was Deutschland nicht tun möchte. Hier ist sie ein freches Pop-Girl aus dem Land der Wirtschaftswunder – mit einem damals beliebten italienischen Touch. Eine angenehme Stunde mit Catrin ersetzt problemlos einen Ausflug in den eleganten und kultivierten Süden.
Caterina Valente in Deutschland gefertigt und zum Ausdrucken individuell angefertigt. Und er duckte sich und ließ es zu. Erst im Ausland wurde er groß, glamourös, erotisch, tanzte und sang auf Augenhöhe mit Louis Armstrong, Dean Martin, Perry Como, Michel Legrand und Harry Belafonte. Er brachte sogar dem melancholischen Trompeter Chet Baker Bluesmusik bei. Als er nach Hause zurückkehrte, wo zum ersten Mal die Sonne schien, ließ er zu, dass sein Vorname immer wieder missbraucht wurde. „Hallo, Kathrin“ heißt einer der Filme, „Guten Abend, Kathrin“ wird ausgeglichen durch die Fernsehshow, die mit Käseigel und Kullerpfirsich die Nation vor dem Fernseher zusammenbrachte.
Ihr Name war Kat oder Cat oder Katharina Agung und sie feierte 1986 ihren 50. Bühnengeburtstag mit dem Titel „Bravo, Catrin“. Er ist eher ein Chamäleon, als er hierzulande zugeben möchte. Seine manchmal raue und manchmal sündige Stimme kann mehr als nur zwitschern. Er weiß, wie man scatift, improvisiert, Oktaven spielt, er ist ein spontaner und ursprünglicher Musiker. Als teutonische Cleanfrau mit einem Hauch Dada sang sie vor allem „Tipititipso“, „Popocatepetl-Twist“, „Madison in Mexico“ und „Chico de Portorico“. Caterina Valente verspricht die Sehnsucht der BRD nach dem Süden und befriedigt sie zumindest für ein paar Minuten mit „Tschau Tschau Bambina“ und „Komm mit mir auf eine Weile nach Italien“.
„Voller Valente!“ »
Caterina Valente trat erstmals im Alter von fünf Jahren mit ihren Brüdern in der Zirkusarena auf. Seinen ersten Bühnenauftritt hatte er 1936 im Friedrichsbau in Stuttgart. Nach seiner Inhaftierung in Breslau und seiner Deportation nach Odessa kehrte Valente nach Paris zurück, wo Caterina im Alter von 16 Jahren als Sängerin in Nachtclubs auftrat. Er spielte mit dem damals unbekannten Gilbert Bécaud, tourte durch Skandinavien und machte 1948 in Kopenhagen seine erste Gesangsaufnahme. Der Unterhaltungsleiter von Radio Zürich nahm ihn 1952 mit ins Studio und die Aufnahme sorgte auf allen deutschen Sendern für Aufsehen. Es folgten verschiedene Produktionen, vor allem beim Südwestfunk Baden-Baden, wo er den Tanzdirigenten Kurt Edelhagen maßgeblich unterstützte. Im selben Jahr heiratete sie den Zauberer Erik van Aro.
Damals hätte dies eine große internationale Karriere im Jazz werden können; Die Weichen sind gestellt. Viele dieser Aufnahmen verschwanden jedoch zunächst in der Versenkung und die Anziehungskraft der Hits und des Glanzes der Unterhaltungsshows wuchs. Caterina Valente stürmte die Stufen der BRD-Gala hinunter und sang jedes Lied, das ihr einfiel. Es entwickelte sich eine höchst bipolare Karriere, die an Pop-Schizophrenie grenzte: Seine Aufnahmen mit dem Werner-Müller-Orchester, etwa „Malagueña“ (1954) und die folgenden, wurden international. Kultiges Lied „The Breeze and I“ wurde gefeiert und blieb wochenlang in den amerikanischen Charts.
Gleichzeitig erschienen ihre ersten Alben mit so kosmopolitischen Titeln wie „The Hi-Fi Nightingale“ (1956) und „Plenty Valente!“ » (1957). Doch in Deutschland verkaufte sich „All Paris Dreams of Love“ mehr als 900.000 Mal und er wurde mit „Where My Sun Shines“ und „Play Again for Me, Habanero“ zum lokalen Star. Und kaum jemand bemerkte, dass „unsere Caterina“ 1959 für einen Grammy als beste Sängerin nominiert wurde und 1965 als erste Nicht-Amerikanerin den Television Critics Fame Award als beste Sängerin im amerikanischen Fernsehen gewann, präsentiert von Sammy Davis. Jr. Er wurde von Burt Bacharach umworben, arbeitete mit Buddy Rich und Tommy Dorsey und sang für Queen und Leonard Bernstein.
Obwohl er international in verschiedenen Sprachen und Stilrichtungen gefragt ist, kommt, singt und gewinnt, muss er weiterhin das Fernweh der Deutschen in Hamburg, Köln, Frankfurt und München in Form von dreiminütigen Kunstwerken stillen: performend. Get in the Dreamboat of Love“, „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu Beach Bikini“, „Where My Sun Shines“ und andere Werke. Caterina Valente ist schon lange der Star aus Großvaters Puschenkino. 1954 drehte er mit „Mannequins for Rio“ seinen ersten Film, dem in kurzer Folge zwölf weitere folgten. Der Erfolgshahn wurde maximal ausgenutzt. 1957 moderierte er seine eigene Fernsehsendung, der viele weitere folgten, vor allem in Italien, Österreich und der Schweiz. Dies hielt bis in die siebziger Jahre an; Dazu kommen regelmäßige Tourneen und Auftritte mit Hans Rosenthal, Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff.
Dazwischen beeindruckte er stets als vielsprachiger und weltoffener Showstar auf der internationalen Bühne. 1963 sollte Caterina Valente anstelle von Astrud Gilberto „Das Mädchen aus Ipanema“ singen. Er tourte 15 Mal durch die Vereinigten Staaten und trat sieben Mal im Olympia in Paris, im Londoner Palladium und mehrmals in New York auf; weitere Tourneen führten ihn nach Südamerika, Japan, Australien und Südafrika; Auch in der Zeit des Eisernen Vorhangs trat er in der UdSSR und der DDR auf. In den Vereinigten Staaten war er neben Danny Kaye, Bing Crosby und Carol Burnett in mehr als 100 Fernsehshows zu Gast.
Der letzte Höhepunkt war die ARD-Hommage „Bravo, Catrin!“ » 1986 zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum. Knapp 17 Millionen Zuschauer waren dabei. Aber das ist sein Abgesang geworden. 1979 gelang ihm mit dem Hit „Manuel“ erneut ein Erfolg in den deutschen Charts, ebenso 1984 mit „Men Need Love“. 1987 sagten die Leute einfach: „Ich bin immer noch hier.“
Natürlich kann Caterina Valente weitermachen. Sein Ruf ist noch immer spürbar. Doch lieber würde er 1990 als Jazzsänger und Übersetzer Kurt Weill überraschen. 1996 hatte er seinen letzten Auftritt in Leipzig. Und bald darauf zog er sich routinemäßig und ohne Reue zurück, zunächst in die USA, dann in die Schweiz. Seine letzte Aufnahme erschien 2001 und 2003 folgte ein überraschender Auftritt im italienischen Fernsehen als Duo mit seinem Sohn Eric von Aro. Er hat alles gegeben. Und vielleicht ahnt sie auch, dass sie bald als ernsthafte Interpretin von Weltmusik mit Schwerpunkt Südamerika wiederentdeckt wird: zwei Gesichter, die als Pop-Ladies gelten!
Diese Caterina Valente – oft an der Seite ihres Bruders Silvio Francesco, dem ewigen Co-Champion des Duos – beharrt melodisch gegenüber den Deutschen: „Es wird immer besser, immer besser.“ Sie war schön, aber keine Sexbombe, heiratete früh und hatte zunächst ein gutes Leben. in Mannheim und im Schwarzwald. Sie ist Sängerin, Clownin, Schauspielerin und Multiinstrumentalistin. Er besitzt Schlager und Swing, Flamenco und Tango, Lieder, Canzoni, Arien und populäre Lieder. Leider ist sie heutzutage nur noch eine erfolgreiche Tante, eine zwitschernde Fee mit einer stark rasierten Frisur und ewig schöner Erinnerung an erfolgreichere Zeiten. Dann stieg er die Showtreppe hinunter und schmetterte in einem lieblosen Medley Lieder aus dieser Zeit.
Diese Caterina Valente kann sowohl majestätisch als auch präzise sein. Er weiß, warum er singt: „Du bist die Musik“. Dieser Schall kann die Sterne so schnell und scharf wie ein Pfeil erreichen. Er versteht es aber auch, über Versprechen und Melancholie zu sprechen, in Samt gehüllt, gurrend und schnurrend. Petula Clark, Dusty Springfield, Barbra Streisand, Doris Day, Astrud Gilberto, Sarah Vaughn, Dionne Warwick, Shirley Bassey – sie alle waren Valente und immer sie selbst. Nicht als Calypso-Feen und Sideshow-Kobolde, die ewig „Liebe, Tanz und 1000 Hits“ feiern, sondern als einer der besten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Heute ist Caterina Valente im Alter von 93 Jahren in Lugano gestorben. Das war und ist Musik.
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