Studie zum Autoritarismus in Deutschland: Weniger rechtsextrem, aber fremdenfeindlicher | Deutschland | DW

Wie verbreitet ist die rechte und antidemokratische Haltung in Deutschland? Eine ausführliche Antwort auf diese Frage findet sich in der Studie „Autoritäre Dynamiken in Zeiten der Unsicherheit“ der Universität Leipzig. Die repräsentative Befragung wird seit 2002 durchgeführt. Alle zwei Jahre analysiert ein Team des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung die Stabilität des politischen Systems.

Gute und schlechte Nachrichten aus Ostdeutschland

Das Fazit fällt diesmal zwiespältig mit Licht und Schatten aus: „Die Zustimmung zu rechtsextremen Äußerungen geht nicht nur deutschlandweit, sondern vor allem in Ostdeutschland zurück“, heißt es in der Studie. Nur noch zwei Prozent der Ostdeutschen zeigen ein geschlossenes rechtes Weltbild im Sinne neonationalsozialistischer Ideologie. 2020 seien es noch rund 10 Prozent, sagte er. „Das ist eine gute Nachricht, aber nur die halbe Miete“, betonte Oliver Decker, einer der Leiter der Reportage, im Gespräch mit der DW.

Denn gleichzeitig wachse der Hass auf die, „die als ‚anders‘ wahrgenommen werden“, ergänzt sein Kollege Elmar Brähler. Damit ist der Anteil der „stark fremdenfeindlichen“ Menschen in Ostdeutschland von 27,8 Prozent auf 31 Prozent gestiegen. In Westdeutschland sank sie im gleichen Zeitraum von 13,7 Prozent auf 12,6 Prozent. Zwei von fünf Ostdeutschen finden, dass „zu viele Ausländer“ in Deutschland leben. Das ist auch die Meinung von knapp einem Viertel der Westdeutschen.

Theoretisch hohe Zustimmung zur Demokratie

Auf über 300 Seiten Recherchearbeit ergibt sich ein Bild Deutschlands im „Krisenmodus“, wie im Dokument selbst nachzulesen ist. Laut den Verantwortlichen des Berichts spiegelt sich dies in einer anderen, scheinbar paradoxen Schlussfolgerung wider. 82 Prozent der Deutschen sind mit der Demokratie im Grundgesetz zufrieden. In Ostdeutschland sind es sogar 90 Prozent. Doch diese Werte gehen mit dem Gefühl einher, dass die Bürger keinen Einfluss auf die Politik haben. Dazu kommt, dass der im Alltag erlebten Demokratie nur die Hälfte zustimmt.

Proteste der rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD) gegen die Politik der Bundesregierung.  (Akten, Archive).

Proteste der rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD) gegen die Politik der Bundesregierung. (Akten, Archive).

Diese Wahrnehmung passt aus Sicht der Studienautoren gut in das Bild der seit 2020 zu beobachtenden Krise der Coronavirus-Pandemie und des 2022 hinzugekommenen Krieges Russlands gegen die Ukraine. Dabei kristallisieren sich antidemokratische Motive heraus: Vorurteile und Hass auf „Andere“, propagiert von rechtsextremen Parteien. Die klassischen Feinde sind die Juden, die Muslime, die Sinti und die Römer.

Reaktion auf den Ukrainekrieg

Decker und Brähler betrachten die Fragmentierung der Gesellschaft auch im Hinblick auf Reaktionen auf den Krieg in der Ukraine. Sie fanden keine expliziten Kriegstreiber, „aber Befürworter von Waffenlieferungen in die Ukraine einerseits und russische Sympathisanten andererseits teilen eine ähnliche Tendenz zu allgemein stärkerer autoritärer Aggression“.

Die Partei Alternative Deutschland für Deutschland (AfD) profitiert laut dem Rechercheteam am stärksten von der Krise, und das nicht zum ersten Mal. Anfang 2015 war sie aufgrund ihres Widerstands gegen Einwanderung zu einer rechtsextremen Partei geworden. „Der Hass auf Immigranten half ihm ebenso wie seine gewalttätige Rhetorik“, heißt es in dem Bericht.

(gg/cp)

Friederic Beck

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