deutsche zeitung Süddeutsche Zeitung schreibt: „Costa Rica galt bisher als eines der politisch stabilsten Länder Mittelamerikas. Die Region ist geprägt von Krise und Gewalt, doch Costa Rica kommt seit Jahrzehnten ohne Streitkräfte aus und ist ein beliebtes Reiseziel für Touristen, mit Tropen Wälder und schöne Strände. Doch die Pandemie hat das Land hart getroffen. Fast ein Viertel der fünf Millionen Menschen lebt mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze. Hinzu kommt eine seit Jahren schwelende politische Krise. Viele Menschen haben das Vertrauen in die Etablierten verloren Parteien und ihre Politiker, die sie für distanziert und korrupt halten.
Genau hier kommt der Wahlsieger Rodrigo Chaves ins Spiel. Der 60-Jährige ist in Costa Rica geboren und aufgewachsen und hat den größten Teil seines Erwachsenenlebens im Ausland verbracht. Der ausgebildete Ökonom hat in mehreren Dutzend Ländern für die Weltbank gearbeitet und ist erst 2019 nach Costa Rica zurückgekehrt, um Finanzminister in der Regierung des derzeitigen Präsidenten Carlos Alvarado Quesada zu werden. Doch nach einem Streit trat Chaves nach nur einem halben Jahr zurück. Er lebte auf dem Land und war ein ausgesprochener Kritiker der Regierung. Im Juli letzten Jahres gab er schließlich seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bekannt.
Nach einem zunehmend schmutzigen Wahlkampf scheinen viele Menschen das Interesse an Politik verloren zu haben. In der ersten Runde lag Figueres noch vor Chaves, aber die Wahlbeteiligung war sehr gering. Auch in der zweiten Hälfte kaum über 55 Prozent. Costa Ricas neu gewählter Präsident hat wenig Unterstützung im Kongress. Er musste sich mit einem knappen Budget auseinandersetzen und wird jetzt ein politisch gespaltenes Land regieren.“
Der neue Präsident ist kein Rookie
In der Schweiz täglich Neue Zürcher Zeitung Anmerkungen zu Rodrigo Chaves Robles: „Die Bezeichnung als jemand ‚von außen‘ ist nicht ganz korrekt. Tatsächlich arbeitet der Wirtschaftswissenschaftler seit mehr als 27 Jahren für die Weltbank im Bereich der Armutsforschung. Allerdings unter dem inzwischen scheidenden Präsidenten Carlos Alvarado Quesada, der zu Beginn der Pandemie mehrere Monate lang Finanzminister war, trat nach nur sechs Monaten zurück, weil Alvarados Wirtschaftsreformen nicht umfassend genug erschienen.
Auch Chaves Robles entging dem Skandal nicht. Er soll in mehrere Fälle sexueller Belästigung verwickelt gewesen sein, die schließlich zu seinem Rücktritt aus der Weltbank geführt haben. Er wies die Vorwürfe zurück. Am Ende genießt der in Costa Rica bis vor wenigen Monaten unbekannte Ökonom die Vorzüge, ein frisches Gesicht für einen radikalen Neuanfang zu repräsentieren.
Das Wahldesaster der Citizen Action Party (PAC) der Vorgängerregierung, die die letzten beiden Präsidenten stellte, zeigt, wie sehr sich die Bürger einen politischen Neuanfang wünschen. Neben der tiefen Wirtschaftskrise, die die ansonsten progressive Partei zu unpopulären Wirtschaftsreformen zwang, wurde die Partei von Korruptionsskandalen erschüttert. Die PAC ist im neuen Parlament nicht vertreten.“
Massenenthaltungen bei Wahlen
deutsche zeitung TAZ Anmerkung zur Unzufriedenheit in der Bevölkerung: „Angesichts der Wirtschaftskrise, in der sich Costa Rica befand, hat der PAC-Kandidat bei den Wahlen im Februar nicht einmal 1 Prozent der Stimmen erhalten. Aufgrund des Coronavirus wird Costa Rica oft als ‚Schweiz‘ bezeichnet Central America“ erlitt im Tourismus, der Haupteinnahmequelle des Landes, schwere Einbußen: Die Arbeitslosenquote liegt bei 14 Prozent, jeder Fünfte gilt als arm, fast die Hälfte der Costa-Ricaner hat prekäre Jobs.
Anfang 2021 beschloss die Regierung, beim Internationalen Währungsfonds einen Kredit in Höhe von 1,778 Millionen Dollar zu beantragen. Damit verbundene Pflichten wie das Sparen im öffentlichen Sektor erzeugen Proteste, die auch rechte Parteien gegen die Regierung nutzen können. Außerdem traf PAC ein Korruptionsskandal.
Diese Vorwürfe sowie die Krise dürften dazu beigetragen haben, dass 42,85 Prozent der Wahlberechtigten am Sonntag gar nicht zur Wahl gegangen sind.“
(er)



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