Nord Stream 2. „Berlin versucht Zeit zu kaufen“

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ prognostiziert, dass die Nord Stream 2-Affäre der „erste außenpolitische Versuch“ von Deutschlands neuem Bundeskanzler Olaf Scholz sein wird.



Olaf Scholz w Bundestagu


© PAP/EPA/FILIP SÄNGER
Olaf Scholz w Bundestagu

Deutsche Zeitungen stellten fest, dass die umstrittene Frage der Gaspipeline jetzt im Mittelpunkt eines Streits zwischen EU-Mitgliedstaaten steht. „Und als Moskau seinen militärischen Druck auf Kiew erhöhte, wurden die Stimmen lauter, das Projekt zu verlassen; zumindest wenn Russland in die Ukraine einmarschiert, aber am liebsten vorher“, heißt es in der FAZ.

Auf Zeit spielen

Von der Tageszeitung zitierte Regierungsquellen deuteten dagegen an Warten auf ein Gerichtsverfahren in Bezug auf Nord Stream 2, besteht derzeit keine Notwendigkeit oder Möglichkeit, eine politische Entscheidung über die Gaspipeline zu treffen. Schließlich „kann es nicht in ein paar Tagen fertig sein“ – weist eine Berliner Quelle darauf hin.

„Berlin versucht eindeutig, Zeit zu gewinnen und schwierige politische Entscheidungen zu vermeiden“, sagten die Autoren und warnten, dass es in Deutschlands neuer Regierung keine Einigkeit in Bezug auf Nord Stream 2 gebe dagegen der grüne Flügel der Koalition.

„Sie setzten ihre Hoffnungen auf Zertifizierungsverfahren in Bonn und Brüssel. Die Gaspipeline ist aber auch ein politisches Thema in den USA, wo der Kongress Präsident Joe Biden unter Druck setzt, auch gegen Deutschland Sanktionen zu verhängen“, so die „FAZ“.

Interessanterweise erklärte die Tageszeitung, dass die möglichen Konsequenzen, die Putin Joe Biden angedroht habe, wie die Blockade von NS2 oder der Ausschluss Russlands aus dem internationalen SWIFT-System, zuvor nicht mit Olaf Scholz abgesprochen worden seien.

Osteuropäischer Druck

Trotz des Drucks osteuropäischer Länder, einschließlich Polens, zögerte die Bundesregierung, die Sanktionen im Vorfeld einer möglichen russischen Aggression gegen die Ukraine zu verschärfen. Berlin drängt laut „FAZ“ auf einen Ansatz, der den Dialog mit Russland sucht und „die Deeskalation aktiv beeinflusst“, dem Scholz‘ Treffen mit Emmanuel Macron und Wolodymyr Selensky am Mittwoch anlässlich des Östlichen Partnerschaftsgipfels dienen soll.

Die Agentur AFP behauptete, der ukrainische Präsident hätte während der Gespräche Druck auf die deutsche Regierungsspitze ausüben sollen, Nord Stream 2 „als wichtiges Instrument“ gegen Russland einzusetzen.

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Lora Kaiser

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