Neues Gesetz schützt Pressefreiheit in der EU | Welt | DW

Die EU-Kommissarin für Werte und Transparenz, Vera Jourova, stellte das Gesetz zur Medienfreiheit in der EU vor. Jourova glaubt, dass Journalisten mehr Schutz vor Einflussnahme, Drohungen und Gewalt brauchen, obwohl die Menschenrechtscharta der Europäischen Union und die Verfassungen von 27 Mitgliedsstaaten de facto die Pressefreiheit garantieren.

Im Vergleich zu anderen Regionen der Welt ist die Mediensituation in Europa laut der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) schlecht. Ausnahmen sind Weißrussland, Russland und die Türkei. In weiten Teilen Asiens, Afrikas und Teilen Lateinamerikas ist die Situation deutlich schwieriger. In Nordamerika, Australien und Südafrika ist es besser als in Europa.

Warum braucht es ein europäisches Medienfreiheitsgesetz?

Nach Beobachtungen der Kommission der Europäischen Union sowie von Reporter ohne Grenzen haben Gewalt und Belästigung von Journalisten in den letzten Jahren jedoch in vielen Teilen der Europäischen Union zugenommen. Die Medienkonzentration hält an, und in einigen Mitgliedstaaten, beispielsweise in Ungarn, Polen und Griechenland, greifen die Regierungen stark in die Eigentümerschaft des Mediensektors ein oder versuchen, Informationen in eine Richtung zu lenken, die der Regierung zugute kommt.

Auch in Deutschland kommt es laut dem Jahresbericht von RSF vermehrt zu Angriffen auf die Medien bei Demonstrationen von Impfgegnern oder rechtsextremen Gruppen sowie zu Beleidigungen unter dem Titel „Lügenpresse“. Damit hat sich Deutschland in der Einstufung von Reporter ohne Grenzen von „gut“ auf „befriedigend“ verbessert. Auch der Rückgang der Zeitungsvielfalt wirkte sich aus. EU-Kommissarin Jourova ist nun der Ansicht, dass das Problem durch europäische Vorschriften angegangen werden sollte, weil sich die Regierungen der Mitgliedstaaten nicht genug darum kümmern.

Was will die Europäische Kommission mit dem neuen Gesetz ändern?

„Es enthält viele Dinge, die allen nicht gefallen, weil das Gesetz unter anderem darauf abzielt, die größtmögliche Distanz zwischen Politik und Medien herzustellen“, sagte EU-Kommissarin Jourova dem tschechischen öffentlich-rechtlichen Sender Radio Prague International. Der erste Absatz Ihres Gesetzentwurfs sieht vor, dass der Staat die Inhalte der Medien nicht beeinflussen darf. „Mit anderen Worten, wenn den Medien öffentliche Gelder gegeben werden, sei es von der EU, von der Regierung oder von den Regionen, muss dies transparent und auf nicht diskriminierende Weise erfolgen“, sagte Jourova.

Personalentscheidungen in den Medien sollten transparenter werden. Das Eigentum an privaten Medien sollte offengelegt werden, um eine Monopolstellung zu verhindern. Eine stabile Finanzierung für Zeitungen, Hörfunk und Nachrichtenagenturen soll gewährleistet sein. Dies ist eine weitere gesetzliche Vorgabe, die sich vor allem durch wirtschaftliche Regulierung auf den EU-Binnenmarkt auswirken soll.

Warum ist Ungarn ein Negativbeispiel bei der Ausarbeitung des Gesetzes?

Die Mediensituation in Ungarn unter der rechtsnationalistischen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hat in Brüssel Anlass zur Sorge gegeben. In Ungarn haben Orban-treue Geschäftsleute ein großes Medienunternehmen gekauft und es einer staatlich kontrollierten Stiftung namens KESMA übergeben.

Aus diesem Modell sind die Zeitungen und Online-Portale der „Gleichschaltung“ entstanden. Orban hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter seine Kontrolle gebracht. Die Europäische Kommission ist besorgt darüber, dass in Ungarn eine „Informationswüste“ entsteht, nämlich Kreise und Städte, in denen es keine von der Regierung unabhängigen Medien gibt.

Ähnliche Probleme treten auch in Polen auf. In Griechenland hat die konservative Regierung den öffentlich-rechtlichen Rundfunk per Dekret unter ihre Kontrolle gebracht. Im Ranking der Pressefreiheit belegt Griechenland Platz 108 von 180 untersuchten Ländern. Ungarn liegt auf Platz 85. Zum Vergleich: Deutschland auf Platz 16 und Norwegen auf Platz 1.

Nach den Morden an Journalisten in Frankreich, Malta, der Slowakei und den Niederlanden in den letzten Jahren müssen Journalisten besser vor Gewalt und Belästigung im realen Leben oder online geschützt werden. Die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft muss verbessert werden.

Wann kommt das Gesetz?

Die EU-Mitgliedstaaten müssen den neuen Regeln mit qualifizierter Mehrheit zustimmen. Auch das Europäische Parlament muss dem Gesetz zustimmen. Widerstände erwartet Jourova vor allem in Mittel- und Südosteuropa, wo die Medien stärker unter staatlichem Druck stehen als in der Westeuropäischen Union. Das Gesetz soll noch vor der Europawahl 2024 in Kraft treten, um faire und kostenlose Informationen im Wahlkampf zu gewährleisten.

(jung/md)

Friederic Beck

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