Jędrzej Bielecki: Deutschland zerstört die westliche Solidarität

Während Joe Biden eine geschlossene Front des Westens aufbaute, um einen Angriff des Kremls auf die Ukraine zu verhindern, regte die deutsche Bundeskanzlerin an, den Bau von Nord Stream 2 nicht in das Sanktionspaket gegen Russland aufzunehmen. Das ist ein Sieg für Wladimir Putin.



Die Chefin der deutschen Diplomatie Annalena Baerbock im Gespräch mit dem Chef des ukrainischen Außenministeriums, Dmytro Kuleba


© AFP
Die Chefin der deutschen Diplomatie Annalena Baerbock im Gespräch mit dem Chef des ukrainischen Außenministeriums, Dmytro Kuleba

Damit wurde das im Juli 2021 geschlossene Abkommen mit dem US-Präsidenten der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel gebrochen. Er stimmte zu, dass die Gaspipeline verschrottet werden sollte, falls russische Truppen die ukrainische Grenze überschreiten sollten. Außenminister Antony Blinken hielt diese Lösung für optimal, da Nord Stream 2 seiner Meinung nach ein sehr wirksames Mittel sei, um Druck auf Moskau auszuüben.

Die Haltung von Bundeskanzler Olaf Scholz führte also zu tiefen Spaltungen zwischen dem wichtigsten Staat des Westens und dem wichtigsten Staat der Union. Aber nicht nur die Einheit der transatlantischen Gemeinschaft ist getrübt. Die Trennlinie verläuft auch durch die EU selbst, denn für Länder wie Polen oder Schweden ist die Haltung Berlins in keinster Weise nachvollziehbar.

Weiter: Auch die Einheit der Regierungskoalition in Deutschland steht in Frage. Anfang dieser Woche stattete die deutsche Diplomatiechefin Annalena Baerbock Kiew und Moskau einen Besuch ab. Die Führer der Grünen unterstützen die Schließung von Nord Stream 2, falls Putin beschließt, in den Krieg zu ziehen. Differenzen zwischen seiner Position und der des Kanzlers könnten im Kreml Zweifel wecken, wer die Position Deutschlands vertritt und über dessen Außenpolitik entscheidet.

Weiterlesen

Kaum Chance, Deutschlands Politik gegenüber Russland zu ändern

Olaf Scholz erklärte, dass der Bau einer Gaspipeline ein „kommerzielles Projekt“ sei und nicht mit Politik verwechselt werden dürfe. Niemand, der die Ereignisse jenseits unserer östlichen Grenzen verfolgt, kann sich jedoch der Illusion hingeben, dass eine solche Analyse etwas mit der Realität zu tun hat. Daher ist der Schluss schwer zu vermeiden, dass Deutschland seine derzeitigen Vorteile billigerer Gasimporte über die geopolitischen Interessen nicht nur der Ukraine, sondern auch Polens stellt.

Aber selbst auf rein kommerzieller Ebene ist diese Logik fehlerhaft. Wenn Putin erneut sieht, dass der Westen schwach ist und die nächste Eroberung der Ukraine aufgibt, könnte Russland weiter gehen. Vielleicht ist das Ziel Polen, wo die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands den Wert des Gases aus Nord Stream 2 bei weitem überwiegen.

Lora Kaiser

"Unternehmer. Preisgekrönter Kommunikator. Autor. Social-Media-Spezialist. Leidenschaftlicher Zombie-Praktiker."

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert