Der größte Streik seit drei Jahrzehnten hat Deutschland lahmgelegt

Züge, Busse, Flugzeuge und Boote verkehren an diesem Montag aufgrund des steigenden Lohndrucks nicht. Verstehen Sie, warum die Gewerkschaften in Deutschland so stark sind und ihre immense Verhandlungsmacht haben. Weite Teile Deutschlands sind an diesem Montag (27.03.) zum Stillstand gekommen: Züge, Busse, Flugzeuge und Schiffe stehen still, im landesweit größten Streik seit mehr als 30 Jahren mit Auswirkungen auf fast die gesamte deutsche Gesellschaft.

Zwei der wichtigsten Gewerkschaften Deutschlands mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern – die Eisenbahnergewerkschaft (EVG) und die Gewerkschaft öffentlicher Dienst (Verdi) – haben zu einem Generalstreik aufgerufen, der für den Beginn des Jahres 2018 geplant ist dritte Runde der Lohnverhandlungen. Die Gewerkschaften fordern eine Erhöhung um mindestens 10,5 % angesichts der hohen Inflation in Deutschland, die sich direkt auf die Lebenshaltungskosten auswirkt. In einer weiteren Runde wurden eine 5%ige Gehaltserhöhung und eine einmalige Bonuszahlung verweigert.

Der Fernverkehr auf der Eisenbahn wurde fast vollständig eingestellt, was auch die Nachbarländer betraf, da viele Linien Strecken außerhalb der deutschen Grenzen führten. Auch im Regionalverkehr fahren nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) die meisten Züge nicht.

Alle großen Flughäfen fielen aus, mit Ausnahme von Berlin-Brandenburg, das internationale Flüge durchführt, da Inlandsflüge aufgrund von Schließungen an anderen Flughäfen des Landes nicht ankamen oder abflogen. Schätzungsweise 400.000 Passagiere waren betroffen.

Darüber hinaus wurden in sieben Bundesländern – Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und dem größten Teil Bayerns – auch Stadtbusse, U-Bahnen und Straßenbahnen eingestellt.

Auch der Güterverkehr, sowohl auf dem Schienennetz als auch in den Häfen, war betroffen, da sich die Hafenarbeiter den Streikenden anschlossen. Dadurch wird auch die Warenlieferung betroffen sein, die von Schiffen und Zügen gefolgt wird.

Ein weiterer Ausdruck des Streiks ist der zunehmende Verkehr von Autos auf den Straßen aufgrund der Einstellung des öffentlichen und des Fernverkehrs.

Was die Gewerkschaften fordern

Die beiden großen Gewerkschaften sind in Verhandlungen mit föderalen und lokalen Arbeitgebern des öffentlichen Sektors in einer Vielzahl von Verkehrssektoren festgefahren – darunter Schienenverkehr, öffentlicher Nahverkehr und Bodenpersonal an Flughäfen.

Um auf eine Einigung zu drängen, wurden am Montag 350.000 Beschäftigte aus allen Branchen zum sogenannten „Warnstreik“ aufgerufen, dem in den letzten Wochen kleinere Entlassungen vorausgegangen waren.

Im Fall Verdi hat an diesem Montag in Potsdam eine neue Verhandlungsrunde mit dem Deutschen Beamten- und Gewerkschaftsbund (DBB) mit Vertretern des Bundes und der Kommunen begonnen, um Gehaltsziele festzulegen 2 . 4 Millionen Menschen. Die Gewerkschaften fordern 10,5 % und mindestens 500 Euro mehr Gehalt pro Monat. Zuvor bot der Arbeitgeber eine Gehaltserhöhung von 5 % für einen Zeitraum von 27 Monaten und eine Abfindung von 2,5 Tausend Euro in einer Zahlung steuerfrei an.

Die EVG ihrerseits setzte ihre Tarifverhandlungen unter der Woche mit der Deutschen Bahn und rund 50 weiteren Unternehmen fort. Kommt es zu keiner Einigung, schließen die Gewerkschaften einen neuen Streik zu Ostern nicht aus. EVG fordert eine Gehaltserhöhung von 12 % über einen Zeitraum von einem Jahr, mindestens aber 650 Euro als „soziale Komponente“.

Die Deutsche Bahn kritisierte die von ihr als „exzessiv“ bezeichneten Stillstände. „Millionen Fahrgäste, die auf Busse und Bahnen angewiesen sind, leiden unter diesem exzessiven und exzessiven Streik“, sagte Bahn-Sprecher Achim Strauss. „Nicht jeder kann aus der Ferne arbeiten“, fügte er hinzu.

„Tausende Unternehmen, die ihre Waren normalerweise per Bahn versenden oder empfangen, werden ebenfalls leiden“, sagte er und merkte an, dass „auch Umwelt und Klima leiden werden“ und die Gewinner „Ölkonzerne“ sein werden.

Warum sind Gewerkschaften in Deutschland so stark?

Im Gegensatz zu Brasilien hat Deutschland seit 1945 das Unionsmodell der Union übernommen. Darüber hinaus erfolgt der Beitritt zu einer Gewerkschaft spontan, ohne regulatorische Auflagen und ohne rechtliche Beschränkungen. Ende 2018 waren beispielsweise laut einer Studie der Friederich-Ebert-Stiftung rund 7,8 Millionen Menschen gewerkschaftlich organisiert.

Der gewerkschaftliche Organisationsgrad in Deutschland gilt als hoch, konzentriert sich jedoch auf eine kleine Anzahl von Organisationen, die daher eine größere Vertretung und daher eine größere Tarifverhandlungsmacht haben. Verdi beispielsweise vereint Beschäftigte aus über tausend Berufen und ist nach Mitgliederzahlen die zweitgrößte im Land.

Mit anderen Worten: Während in Brasilien die Gewerkschaften zahlreicher und nach Regionen und Regionen ziemlich segmentiert sind, sind sie in Deutschland breiter, weniger zahlreich und mit mehr Mitgliedsorganisationen. So wurde ein Generalstreik wie am Montag möglich, mit großen gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen.

Das Einheitsgewerkschaftsmodell wurde in Deutschland kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernommen. Ein Grund ist laut Friederich-Ebert-Stiftung, dass die politische Spaltung der Gewerkschaftsbewegung von den Nationalsozialisten 1933 als einer der Gründe für deren fast zwangsläufigen Zusammenbruch angesehen wurde.

Ein weiterer grundlegender Punkt ist, dass es weder eine formelle Beziehung zwischen der Zentralgewerkschaft und den politischen Parteien noch einen Geldtransfer der Partei an die Gewerkschaft gibt.

Gewerkschaftsbeiträge sind von der Einkommenssteuer absetzbar, und unbezahlte Streiktage werden von der Gewerkschaft für Arbeitnehmer erstattet.

Streikkosten

Trotz der Unannehmlichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger, insbesondere der Schwierigkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, schätzen Finanzexperten die Folgen des Streiks vom Montag auf die deutsche Wirtschaft als recht begrenzt ein.

„Der große Streik ist ein Problem für die Bürger und schadet dem Ansehen Deutschlands als Wirtschaftsnation“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Kramer in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber die wirtschaftlichen Auswirkungen des eintägigen Streiks sind begrenzt, da praktisch alle Unternehmen außer den direkt betroffenen weitermachen werden [trabalhando] normalerweise“.

Bis zu 181 Millionen Euro könnten durch blockierte Häfen, gestrichene Flüge und stillgelegte Bahnstrecken kosten, schätzt Klaus Wohlrabe, Experte beim Institut für Wirtschaftsforschung (ifo), in Deutschland.



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Ricarda Lange

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