„Die umweltfreundliche Gewinnung von Lithium-Rohstoffen und eine faire Partnerschaft mit Bolivien ist die Grundlage unseres Handelns“, heißt es auf der ACISA-Website. Im Dezember 2018 startete das deutsche Unternehmen eine neue Geschäftspartnerschaft mit dem südamerikanischen Land. Beide Parteien setzen also große Hoffnungen in das Projekt. Sogar Politiker aus beiden Ländern waren bei der Vertragsunterzeichnung anwesend.
Lithium wird für die Herstellung von Batterien für Elektroautos benötigt und ist daher unabdingbar, um die Verkehrsmittel zu wechseln und sich von fossilen Antrieben zu verabschieden und mehr Elektromobilität voranzutreiben.
Sechs Unternehmen, keines aus Deutschland
Knapp vier Jahre später ist die Euphorie nur noch auf bolivianischer Seite zu spüren: „Die Lithium-Ära beginnt“, war vor wenigen Tagen auf dem dortigen Portal zu lesen EJUwo die zukünftigen Einnahmen auf zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt werden und von Produktionsmengen von 40.000 Tonnen pro Jahr bis Ende 2024 die Rede ist. Die deutsche Komponente des Projekts wird jedoch nirgendwo mehr erwähnt.
Bolivien gab vor einigen Tagen bekannt, dass die sechs in die engere Wahl gezogenen Unternehmen, die in den Verhandlungen mit dem Land bisher vorangekommen sind, aus den Vereinigten Staaten, Kanada und China stammen. Von einer deutschen Zusammenarbeit ist keine Rede mehr, obwohl der bolivianische Energieminister Franklin Molina Ortiz bestätigte, dass „bisher nur Absichtserklärungen unterzeichnet wurden, keine gültigen Verträge“.



Arbeiter füllen Säcke mit Lithiumkarbonat in der größten Salzwüste der Welt: Salar de Uyuni in Bolivien.
Kulisse des Machtkampfes
Das deutsche Unternehmen ACISA sah die Zusammenarbeit von Anfang an durch politische Unruhen getrübt: Wenige Monate nach der Vertragsunterzeichnung zur Gründung einer gemeinsamen deutsch-bolivianischen Gesellschaft zur Durchführung des Projekts kam es in der Salar-Region von Uyuni zu Protesten dagegen. Bolivien geht es nicht gut und ACISA ist zu klein für ein so großes Projekt, argumentieren Gegner.
Als ob das nicht genug wäre, trat der damalige Präsident Evo Morales im Rahmen einer weiteren Protestaktion zurück, nach den umstrittenen Wahlen von 2019. Und wenn er über den Putsch gegen ihn spricht, macht er unter anderem internationale Interessen in Bolivien dafür verantwortlich. Lithiumvorkommen sind Entscheidungen darüber, wer mit Bolivien zusammenarbeitet, endgültig politisiert.
Arce musste eine strategische Entscheidung treffen
Derweil ist Morales‘ Nachfolger Luis Arce unter Beschuss geraten. Laut bolivianischen Medien wird sein Sohn eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung spielen, wer den Vertrag gewinnt. „Gerüchte und wenig Transparenz“, kommentierte das Portal Baum über die Vergabeentscheidung.
Für Präsident Arce, der auch zunehmend von Morales unter Druck gesetzt wird, gilt es, kluge strategische Entscheidungen für sein Land zu treffen. „Wir brauchen Partner, keine Eigentümer“, sagte Morales vor Jahren und legte damit die Messlatte für die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern höher.
Rückschlag für Deutschland
Das deutsche Unternehmen ACISA, das gegründet wurde, um ein gemeinsames deutsch-bolivianisches Unternehmen zu gründen, das Lithium in dem Andenland abbauen wird, sagte der DW am Montag (13.06.2022), dass die Ausschreibung, für die sechs Konsortien ausgewählt wurden, ein Projekt für die ist Auswahl der Technologie für die direkte Extraktion von Lithium aus der Sole Salar de Uyuni.
Laut Dekret muss diese Technologie vom staatlichen Unternehmen YLB genutzt werden; denn nach bolivianischem Recht dürfen Rohstoffe aus Primärquellen (zB Sole aus Salar de Uyuni) nur vom Staat bezogen werden.
Dieses Projekt ist völlig unabhängig vom ACISA-Projekt, nämlich der Gewinnung von Lithium aus Restsole, wie das deutsche Unternehmen betonte. Doch während Kanadier, Amerikaner und Chinesen weiter Fortschritte zu machen scheinen, räumte Deutschland ein: „Zum jetzigen Stand unseres Projekts können wir nur sagen, dass die Verhandlungen aufgrund der Lage in Bolivien weiterhin sehr schwierig bleiben.“ Oder optimistisch: Die Situation ist festgefahren.
(rmr/rml)



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