Zahnentdeckung, die die Geschichte der Menschheit neu schreiben könnte | Wissenschaft und Gesundheit

9,7 Millionen Jahre alter Primatenzahn — Foto: Picture-alliance/dpa/Naturhistorisches Museum Mainz

Ein Team deutscher Archäologen hat im Bett des alten Rheins eine Reihe faszinierender Zähne entdeckt, die 9,7 Millionen Jahre alt sind, gab das Naturhistorische Museum in Mainz diese Woche bekannt.

Der Zahn scheint zu keiner in Europa oder Asien vorkommenden Art zu gehören. Am ähnlichsten sind sie den Skeletten der Hominoiden Lucy (Australopithecus Afarensis) und Ardi (Ardipithecus ramidus), die bei Ausgrabungen in Äthiopien gefunden wurden.

Allerdings sind die im Dorf Eppelsheim, 40 Kilometer südlich von Mainz, gefundenen Zähne mindestens 4 Millionen Jahre älter als das afrikanische Skelett. Die Wissenschaftler waren so neugierig, dass sie die Veröffentlichung der Entdeckung fast ein Jahr hinauszögerten. Ein spezielles Team wird zusätzliche Untersuchungen an den Zähnen durchführen.

„Es handelt sich eindeutig um einen Primatenzahn“, sagte der Leiter des Archäologenteams, Herbert Lutz, der Lokalzeitung „Merkurist“. „Die Merkmale ähneln Funden in Afrika, die 4 bis 5 Millionen Jahre jünger sind als die in Eppelsheim ausgegrabenen Fossilien. Das ist außergewöhnliches Glück, aber auch ein großes Geheimnis.“

Auf einer Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Entdeckung sagte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, die Entdeckung werde Wissenschaftler dazu zwingen, die Geschichte der Anfänge der Menschheit zu überdenken.

„Ich möchte nicht überdramatisieren, aber ich möchte die Hypothese aufstellen, dass wir nach heute damit beginnen müssen, die Geschichte der Menschheit neu zu schreiben“, sagte er.

Der deutsche Archäologe Axel von Berg sagte den Medien, er sei sicher, dass die Entdeckung viel Aufmerksamkeit erregen werde. „Das wird die Experten beeindrucken“, versicherte Berg der Allgemeinen Zeitung.

Der erste wissenschaftliche Artikel über die Entdeckung wird nächste Woche im sozialen Netzwerk ResearchGate veröffentlicht, das sich an Wissenschaftsprofis richtet. Die Zähne werden noch eingehend untersucht, aber ab Ende Oktober werden sie auf der vorZEITEN-Ausstellung des Landes Rheinland-Pfalz ausgestellt. Anschließend soll der Zahn laut der Tageszeitung „Die Welt“ in das Naturkundemuseum Mainz gebracht werden.

Der Zahn wurde von Archäologen beim Sieben von Kies und Sand im prähistorischen Flussbett des Rheins entdeckt – dem antiken Lauf des wichtigsten Flusses Deutschlands. Das erste Primatenfossil wurde 1820 in der Region entdeckt. Seit 2001 wurden in der Region 25 neue Arten entdeckt.

Der Zahn wurde neben den Überresten einer ausgestorbenen Equidengattung (Säugetiere der Familie der Equiden, darunter Pferde) entdeckt – was den Forschern dabei half, das Alter des Fossils zu bestimmen.

Ricarda Lange

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