Von Sebastian Schug (dpa)
Mannheim/Hamburg/Kampala, 22.09. (dpa) – Der Klimawandel stellt den Kaffeesektor weltweit vor große Probleme und könnte eines der Lieblingsgetränke der Deutschen zum Luxusartikel machen.
„Es gibt Studien, die davon ausgehen, dass sich die heutige Kaffeeanbaufläche bis zum Jahr 2050 halbieren wird“, sagt Sophie von Loeben vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PiK).
Laut einem Bericht des deutschen Kaffeevermarkters Tchibo aus dem jahr 2024 trinken erwachsene Kaffeeliebhaber in Deutschland 3,4 Tassen pro Tag. Das Unternehmen führte im Januar dieses Jahres gemeinsam mit dem Statistikportal Statista und der Zeitschrift „Brand Eins“ eine Umfrage unter 1.500 Menschen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren durch, um ihr Konsumverhalten in Bezug auf Kaffee zu ermitteln.
Die Branche trifft sich Ende des Monats (zwischen 30. September und 3. Oktober) in Mannheim zur International Coffee Convention (ICC). Dort werden Landwirte, Händler und Forscher nach Antworten auf diesen großen Wandel suchen.
„Wir wollen Wissen für die Kaffeeindustrie schaffen“, sagte Steffen Schwarz von ICC auf einer Pressekonferenz. Er fügte hinzu, dass die wichtigsten Themen neben dem Klimawandel Veränderungen im Verbraucherverhalten, Modernisierung und Digitalisierung von Kaffeepflanzen, oft in kleinem Maßstab, und Nachhaltigkeit seien.
Von Loeben sieht die Ursache dieser Herausforderungen in der Kaffeepflanze selbst. „Er ist sehr empfindlich, er mag weder Hitze noch Trockenheit noch Feuchtigkeit. Es erfordert bestimmte schattige Bedingungen und einen nährstoffreichen Boden.“
Holger Preibisch, Geschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes Hamburg, bestätigt dies: „Kaffee ist ein sehr sensibles Produkt. Dieser Kaffee wächst nur in bestimmten Gebieten der Welt, die als Kaffeeregion um Ecuador bekannt sind.“
Um die Plantagen dort zu sichern, entscheiden sich die Bauern für Mischkulturen, also die Kombination von Kaffeepflanzen mit anderen Pflanzen.
Von Loeben ist ein Forschungsexperte auf dem Gebiet der Pflanzen. „Kaffee ist zwar eine der wertvollsten Nahrungspflanzen weltweit, aber auch eine der am wenigsten erforschten.“ Der Großteil des Kaffeekonsums basiert auf nur zwei Sorten: Arabica und Robusta.
Und laut Forschern „gibt es in der Natur rund 130 bekannte wilde Kaffeepflanzen“. Einige von ihnen seien resistenter gegen Hitze oder bestimmte Schädlinge und könnten direkt gepflanzt oder zur Herstellung von Hybriden verwendet werden, fuhr er fort.
Experten argumentieren, dass die Nachfrage nach Kaffee die Qualität des Angebots bestimmt. Von Loeben und Preibisch bezweifeln, dass Gütesiegel einen großen Einfluss auf diesen Sektor haben. Dies ist laut Branchenvertretern auf die hohe Preissensibilität der Verbraucher zurückzuführen.
Von Loeben betonte auch, dass Kaffee vielerorts von Kleinproduzenten angebaut werde und die Zertifizierung viel Geld kostet, so dass sich die Kooperativen die Kosten oft nicht leisten könnten.
Der Forscher Dirk Lachenmeier, Vorsitzender des ICC-Wissenschaftsausschusses, weist darauf hin, dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, das nicht nur Kaffeebohnen betrifft, und dass es angesichts der enormen wirtschaftlichen Kosten sehr schwierig ist, Kleinbauern davon zu überzeugen.



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