Das soziale Netzwerk Twitter wird in Deutschland wegen Verstößen gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) untersucht, das die rasche Entfernung rechtswidriger Inhalte wie Hassreden vorschreibt. Das Bundesamt für Justiz (BfJ) hat nach Feststellung „ausreichender Anhaltspunkte für ein Versagen“ in seinem Beschwerdebearbeitungsverfahren ein Verfahren gegen die Plattform eingeleitet.
NetzDG-Gesetz
Das NetzDG-Gesetz trat im Oktober 2017 in Kraft und besagt, dass Social-Media-Plattformen innerhalb von sieben Tagen auf Meldungen von Nutzern über rechtswidrige Inhalte reagieren, die Meldung überprüfen und die Inhalte entfernen müssen, wenn festgestellt wird, dass sie rechtswidrig sind. Bei sehr offensichtlichen Inhalten wie Hassreden verkürzt sich die Frist auf 24 Stunden. Was als illegal gilt, regelt das deutsche Strafgesetzbuch, das Hassrede, Belästigung und Bedrohung sowie Antisemitismus abdeckt.
Twitter unter Lupe
Bundesamt für Justiz angegeben haben dass sie zahlreiche Meldungen über auf Twitter eingestellte rechtswidrige Inhalte erhalten hat, die von den Behörden als rechtswidrig eingestuft wurden und trotz Beschwerden der Nutzer nicht innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen vom Anbieter entfernt oder gesperrt wurden. Laut BfJ wurden die Inhalte rund vier Monate lang auf Twitter gepostet und von Nutzern als rechtswidrig gemeldet. Der Inhalt enthält ähnliche unbegründete und diffamierende Meinungsäußerungen, die sich alle an dieselbe Person richten, und stellt eine Straftat nach dem BfJ dar.
Mögliche Konsequenzen
Das NetzDG-Gesetz erlaubt Bußgelder von bis zu 50 Millionen Euro für Regimeverstöße. Bisher hat die Bundesregierung nicht versucht, Gesetze zu Verstößen gegen die Moderation von Inhalten durchzusetzen, aber der Twitter-Fall könnte der erste sein.
Telegram wurde im vergangenen Jahr mit einer Geldstrafe von 5,125 Millionen Euro belegt, weil es den Nutzern keine Tools zur Verfügung gestellt hatte, um illegale Inhalte zu melden, und weil es versäumt hatte, eine juristische Person in Deutschland zu gründen, um offizielle Mitteilungen von Regulierungsbehörden zu erhalten. Im Fall von Twitter besteht die potenzielle Geldstrafe jedoch darin, dass die Regeln zum Entfernen von Inhalten nicht eingehalten werden.
Moschus-Challenge
Es ist interessant festzustellen, dass der Druck zur Durchsetzung des NetzDG-Gesetzes teilweise von Tesla-CEO Elon Musk ausgeht, der vor allem für seine kontroversen Tweets bekannt ist. Trotz der Reduzierung der Ressourcen für die Inhaltsmoderation behauptet Musk, dass er den Moderationsansatz von Twitter reformiert und verbessert. Ihre Strategie beinhaltet die Erweiterung einer bestehenden Community-Faktenprüfungsfunktion namens Community Notes, mit der problematischen Tweets Notizen hinzugefügt werden können, anstatt sie zu löschen.
Musks Ansatz berücksichtigt jedoch nicht die rechtlichen Risiken, die Twitter in Ländern wie Deutschland eingeht, in denen die sofortige Entfernung illegaler Inhalte gesetzlich vorgeschrieben ist. Das NetzDG-Gesetz stellt einen frühen Test für Musks Strategie und Wunsch nach Bußgeldern dar, da das Gesetz schon lange in Kraft war, bevor Musk CEO von Twitter wurde.
Es ist erwähnenswert, dass die Europäische Union auch Vorschriften zur Verwaltung digitaler Inhalte hat, die als Digital Services Act bekannt sind. Das Gesetz legt auch rechtliche Anforderungen fest, wie digitale Dienste mit Content Governance umgehen sollten, und wird Anfang 2024 EU-weit in Kraft treten. Das Gesetz sieht eine Geldstrafe von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens vor.
Twitter hat immer noch die Chance, Bußgelder zu vermeiden, indem es das Problem der Meldung illegaler Inhalte auf der Plattform angeht. Das Bundesamt für Justiz hat angekündigt, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich zu angeblich systematisch versäumten Beschwerden zu äußern. Reagiert Twitter nicht oder nicht stichhaltig, setzt das BfJ das Verfahren fort und erscheint vor dem Landgericht Bonn, um die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens zu beantragen.



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