Es ist eine Erfolgsgeschichte. Inmitten von Energiekrise und steigender Inflation kamen im Sommer 9-Euro-Tickets für ganz Deutschland an. Möglicherweise erhält die Politik der Koalitionsregierung noch so viele Zustimmungen für andere politische Vorhaben wie die ÖPNV-Genehmigung, die im Juni, Juli und August Fahrten quer durch Deutschland für neun Euro erlaubt.
Nachfolger 2023?
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) formulierte es am Montag so: „Das Modell ist ein Erfolg. Wir müssen damit weitermachen.“ Dem schloss sich auch die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Maike Schäfer (Grüne), an und sagte, die Länder würden sich an den Kosten beteiligen. Neue Abonnements können im Januar eintreffen und zwischen 49 und 69 Euro kosten.
Die Zahlen sprechen für sich: 62 Millionen Menschen (inklusive Bestandskunden) nutzen Sonderangebote in den Sommermonaten. Die meisten Deutschen forderten eine sofortige Nachfolgeregelung. Beim Preis gehen die Meinungen auseinander: Rund 30 Prozent der Befragten wären bereit, 29 Euro im Monat für das Ticket zu zahlen. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage, die das Institut Civey im Auftrag der Bürgerbewegung Campact durchgeführt hat. Etwa 20 Prozent zahlen zusätzlich 49 Euro für das Ticket. Die 7-Prozent-Minderheit zahlt sogar 69 Euro im Monat. Tatsächlich hat das Ticket dazu geführt, dass die Deutschen das Auto öfter zu Hause stehen lassen und es mit öffentlichen Verkehrsmitteln versuchen.
Divergenz in Koalitionen
Doch bald zeigte sich, dass es in der Regierung zum 9-Euro-Schein sehr unterschiedliche Meinungen gab. Sozialdemokrat und Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von einem „durchschlagenden Erfolg“. Etwas kritischer äußerte sich der „Schatzmeister“ der Regierung, der liberale Bundesfinanzminister Christian Lindner: Er hielt einen dauerhaften 9-Euro-Schein für finanziell nicht tragbar. Laut Lindner würde der 9-Euro-Schein den Staat jährlich 14 Milliarden Euro kosten. Die Grünen, der dritte Partner in der Regierungskoalition, setzen sich für billige Tickets um jeden Preis ein, weil sie davon ausgehen, dass sich das positiv auf die Umweltbilanz auswirkt.
Einigung im Oktober?
Umwelt- und Fahrgastverbände forderten. Alle wollen bessere und erschwinglichere öffentliche Verkehrsmittel. Doch auch nach einem Treffen der Verkehrsminister von Bund und Ländern scheint keine schnelle Einigung in Sicht. Eine Arbeitsgruppe soll nun Lösungen entwickeln. Sie werden am 12. Oktober auf der nächsten Verkehrsministerkonferenz vorgestellt.
(gg/ers)



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