Koalitionsgespräche in Deutschland: Ein guter Anfang, aber das war es auch schon | Deutschland | DW

Der Start war erfolgreich. Knapp einen Monat nach der Bundestagswahl haben Sozialdemokraten (SPD), Liberale (FDP) und Grüne die sogenannte „Erkundungsphase“ erfolgreich abgeschlossen. Während dieser Gespräche untersuchten sie, ob es genügend Gemeinsamkeiten gab, um formelle Koalitionsverhandlungen aufzunehmen. Das heißt, es gibt. Weihnachten als Ziel der neuen Regierung scheint machbar. Der langen Spannung konnte sich nicht nur Deutschland entziehen, sondern auch die Europäische Union und andere internationale politische Akteure. Alles sehr gut, wenn nicht das große „aber“.

Wie versprochen, hat sich die Regierungsbildung in Deutschland bislang nicht in eine Medien-Eitelkeitsmesse verwandelt. Vor allem, wenn man sich an die letzten Momente erinnert, in denen die Medien fast ausschließlich mit dem Thema behandelt wurden. Oder als mit stufenweisen Konferenzbalkonen Theater mit wechselnder Besetzung entwickelt wurden. Diesmal Disziplin. Und es vermittelt Solidität. Aber die Dinge sind nicht so stabil, wie sie scheinen.

Nicht alles was glänzt ist Gold

Kay-Alexander Scholz, Berlin-Korrespondent der DW.

Kay-Alexander Scholz, Berlin-Korrespondent der DW.

Die Impfraten in Deutschland sind nicht so hoch wie in anderen EU-Ländern, und der Verlauf der Pandemie in diesem Winter bleibt abzuwarten. Bei der Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen wird immer wieder auf Autarkie Wert gelegt, doch die dafür benötigten Ressourcen reichen noch immer völlig aus. Dagegen nimmt die Abhängigkeit von russischem Gas zu. Die Christlich Demokratische Union (CDU), neben der Sozialdemokratischen Partei (SPD) eine der beiden Traditionsparteien Deutschlands, steckt in einer der größten Krisen ihrer Geschichte. Sie schüttelt jahrzehntelange Sicherheit im Dialog an der Basis der Kommune ab.

Das Bündnis aus Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen – „Ampel“, mit Parteifarben – wird als „Koalition der Zukunft“ präsentiert. Aber zuerst müssen Sie einige aktuelle Aufgaben erledigen. Ganz zu schweigen von der Frage, wie Ihr Plan finanziert wird. Die deutsche Rettungspolitik während der Pandemie war sehr großzügig und kostete zig Milliarden Euro. Viele finanzielle Puffer wurden abgebaut.

Die Dreierkoalition, etwas Neues in Deutschland

Inzwischen ist viel vom politischen „neuen Dialog“ die Rede. Aber so gut es auch sein kann, es sind über allem Fakten. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wird es eine dreigliedrige Koalition von Sie können gewisse Erfahrungen der Regierung auf regionaler Ebene nutzen, ein Kompromiss zwischen den drei Parteien wird nicht einfach sein, zumal in Verhandlungen gibt es keinen Partner mit einem großen Vorteil. Schließlich sind FDP und Los Verdes zusammen genauso stark wie die SPD.

Hinter den an erster Stelle stehenden zukünftigen politischen Akteuren stehen Parteien mit unterschiedlichen Programmwegen und unterschiedlichen Werten. Zum Beispiel in Bezug auf die Steuerpolitik. Auf interner Ebene agiert die Partei als Flügel, Fraktion und Machtzentrum, das Entscheidungen unterstützen muss. Sie sind Co-Stars, die manchmal ihre eigene Dynamik entwickeln können. Wie heute in Berlin, wo parallel ein neuer Senat gewählt wird. Dort wollte Franziska Giffey von der SPD eine Koalition mit der extremen Rechten, der CDU, und den Liberalen, der FDP, bilden. Doch er musste dem Druck seiner eigenen Partei nachgeben und peilt nun eine Neuauflage des Linksbündnisses mit Los Verdes und der Partei La Izquierda an.

Bei den jetzt beginnenden Koalitionsverhandlungen geht es auch darum, wer das wichtige Regierungsgebiet bekommt. Vor allem das Finanzministerium steht im Mittelpunkt. Hier beginnt der eigentliche Kampf um die zukünftige Macht in der Regierung. Und hier wird sich zeigen, ob die immer geförderte Solidität und Solidarität dies halten kann.

(cp/er)

Friederic Beck

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