Mysteriöses Massenfischsterben an deutscher Grenze | Umfeld

Experten zerbrechen sich den Kopf, um die Todesursache von Tausenden Fischen in der Oder an der deutsch-polnischen Grenze zu verstehen.

Alles begann vor zwei Wochen, als polnische Fischer berichteten, tonnenweise tote Fische aus dem Wasser entfernt zu haben. Seitdem haben die Behörden der osteuropäischen Länder berichtet, dass diese Menge fast 100 Tonnen erreicht hat. Auf deutscher Seite schätzt man die Verdrängung auf weitere 36 Tonnen.

Zum Zeitpunkt der ersten Meldungen hatten polnische Behörden an zwei Stellen der Oder einen Giftstoff entdeckt. Zunächst glaubten sie, es handele sich um Mesitylen – eine Hypothese, die bald verworfen wurde, da weitere Tests keine Spur der chemischen Verbindung fanden.

Auch die polnische Regierung macht die illegale Verklappung von Chemikalien in Flüssen schuld und setzt eine Belohnung für Hinweise aus.

Eine weitere untersuchte Hypothese war das Vorhandensein von Quecksilber in den Gewässern, aber Tests fanden weder dieses noch andere Schwermetalle in den Proben. Die einzige festgestellte Anomalie war der hohe Salzgehalt des Wassers.

Algen können den Tod erklären

Die polnische Umweltministerin Anna Moskau gab am Donnerstag (18.08.) bekannt, dass Labortests das Vorhandensein von giftigen Algen in der Oder gezeigt haben. Diese Entdeckung mag das fehlende Puzzleteil sein, um die Ursache der Katastrophe zu verstehen, aber sie wirft eine weitere mysteriöse Frage auf – wie hat es diese Alge geschafft, sich so schnell zu vermehren.

Laut Moskau ist Goldalgen ein seltener Mikroorganismus, der das Auftreten von Toxinen verursachen kann, die für Fische und Schalentiere tödlich sind. Diese Algenart ist jedoch für den Menschen ungefährlich.

Der Begriff Goldalgen ist ein allgemeiner Name für eine Gruppe von mehreren Arten von Algen, aber im Fall von Oder bezieht er sich auf eine bestimmte Art, Prymnesium parvum. Es ist bekannt dafür, dass es mehrere Giftstoffe produziert, die für Lebewesen schädlich sind, die durch Kiemen atmen – was bei Fischen, Weichtieren, Krebsen sowie einigen Arten von Amphibien und Plankton der Fall ist.

Die Auswirkungen des Klimawandels?

Hohe Gehalte an Salzen, Sulfaten und Chloriden haben einen großen Einfluss auf die Verbreitung von Goldalgen und ihre Blüte im Süßwasser. Dieses Phänomen kann mit dem Klimawandel zusammenhängen, da höhere Temperaturen zu höheren Verdunstungsraten aus Flüssen führen und diese salziger machen.

Normalerweise Prymnesium parvum findet man in Flussmündungen, wo sich Salzwasser aus dem Meer mit Süßwasser vermischt. Unter normalen Bedingungen werden sich diese Algen nicht wie in Oder vermehren können.

Die Katastrophe ereignete sich mitten in einem der trockensten Sommer, der Deutschland je heimgesucht hat, als die Flusspegel im ganzen Land sanken.

Die deutschen Behörden haben die Bewohner gewarnt, nicht mit Wasser in Kontakt zu kommen und es von Haus- und Nutztieren fernzuhalten.

Deutschland und Polen bildeten eine gemeinsame Task Force, um den Fall zu untersuchen.

Ricarda Lange

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