NATO-Verstärkungen: Deutsche Truppen unter Druck | Europa | DW

Die Response Force (NRF) ist die „Firewall“ der NATO. Ihre multinationale Kampfeinheit ist immer einsatzbereit. Im Falle eines Angriffs auf eines ihrer Mitglieder rückt die erste Einheit innerhalb von 48 Stunden in das Krisengebiet aus und erfüllt verschiedene Einsätze: zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Doch die NRF dürfte bald eine noch größere abschreckende Wirkung haben. Die Nato hat dies auf dem Madrider Gipfel wegen der russischen Aggression gegen die Ukraine und zur Sicherung ihrer Ostflanke beschlossen. Dazu wird diese Truppe massiv aufgestockt, von derzeit 40.000 Soldaten auf 300.000 kampfbereite Soldaten.

Deutschland wird sich laut Verteidigungsministerin Christine Lambrecht mit 15.000 Infanteristen der Bundeswehr beteiligen. Drei- bis fünftausend Soldaten werden in Litauen stationiert, derzeit sind es etwa tausend. Neben der Bereitstellung von 65 Flugzeugen, 20 Schiffen und einer Kommandoeinheit der KSK-Spezialkräfte.

Aber nach dem Ende des Kalten Krieges war das deutsche Militär stark reduziert worden. „Die Anforderungen in der Bundeswehr erfordern einen enormen Aufwand an Personal, Material, Ausrüstung und Infrastruktur“, erinnerte er die Zeitung Augsburger Allgemeine Sozialdemokratin Eva Högl, Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages.

Große Herausforderung für die kleinste Armee der deutschen Geschichte

Der Präsident des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, sieht derweil „eine enorme Herausforderung, die kleinste Bundeswehr der Geschichte zu haben“. Derzeit mit etwa 183.000 Soldaten. Denn Vorräte müssen gekauft werden und „die Regale sind leer“, warnt Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) im Gespräch mit der DW. Die Armee brauche eine Kommandostruktur und Logistik, fügte er hinzu.

Eine der Grundlagen der deutschen Sicherheitspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg war größtmögliche militärische Zurückhaltung. Dies ist sowohl für die Politik als auch für den Großteil der deutschen Gesellschaft Konsens. Die Dinge wurden zu bürokratisch und der Entscheidungsprozess verlangsamte sich.

Jetzt muss sich die Bundeswehr angesichts des drohenden Worst-Case-Szenarios zu einer schlagkräftigen Streitmacht entwickeln. Angesichts der neuen Strategie der NATO konnte Deutschland nicht weiter hinauszögern.

„Das ist eine weitere Zeitenwende“, sagte Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr in München mit Blick auf die Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz zur historischen Wende nach dem russischen Einmarsch. „Das Nato-Kontingent an der Ostflanke im Baltikum sollte bisher nur eine Art Stolperdraht oder Bremse sein“, erklärt der Militärforscher der DW.

Für die Bundeswehr sei das sehr wichtig, denn „Deutschland soll die logistische Drehscheibe sein, an der alles operieren wird“. Im Kern war dies eine große strategische Neuausrichtung in Europa mit nachhaltiger Wirkung für die Bundeswehr. Eine große Herausforderung.

(jov/rml)

Friederic Beck

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